Alten Friedhof als Kulturstätte begreifen

Die St. Ingberter Liberalen kritisieren den zunehmend schlechten Zustand des Alten Friedhofs, der nach Aufgabe der Bestattungen im Umfeld der Engelbertkirche 1819 neu angelegt wurde und den viele ältere Mitbürger noch als „de Stiefe Garde“ in Erinnerung haben. Viele bedeutende St. Ingberter fanden dort ihre letzte Ruhestätte.
Aufwändig gestaltete Grabmäler tragen den Namen von Personen, die St. Ingberter Geschichte geschrieben haben. Hierzu zählen die Besitzer des Eisenwerkes Kraemer sowie die Familien Erhardt, Lamarche, Graffion, Toussaint oder die Eltern des Malers Albert Weisgerber und natürlich Heimatdichter wie Karl August Woll, Karl Uhl und Klaus Stief, aber auch Persönlichkeiten wie der Begründer der St. Ingberter Sozialdemokratie, der erste Kapellmeister unserer Bergkapelle oder Fußballbundestrainer Jupp Derwall.
„Die historischen Grabstätten sind vielfach von Flechten und Unkraut oder wildem Graswuchs überwuchert. Rost und Grünspan machen sich breit, der Verputz an größeren Monumenten blättert ab“, so schildert Andreas Gaa die derzeitige traurige Situation. Namen und Inschriften seien oft nicht mehr lesbar, Figuren und Tafeln wie der Kopf von Karl August Woll wurden von Dieben entfernt oder von Vandalen zerstört.
Für die FDP stellen sich hier einige Fragen: Wo bleibt hier die Pflege seitens der Stadt? Was ist mit den sog. Ehrengräbern, die eigentlich gepflegt werden müssten? Auch gilt: Gedenktage prominenter St. Ingberter Persönlichkeiten sollten nicht sang- und klanglos vorbeigehen, wie zuletzt geschehen beim bekannten Kunstmäzen und Kunstsammler Franz Josef Kohl-Weigand (150. Todestag in diesem Frühjahr). Bei bildenden Künstlern wie Leo Erb (100. Geburtstag im kommenden Jahr) oder Oskar Holweck (ein Jahr später) stehen entsprechende Möglichkeiten einer Würdigung seitens ihrer Stadt noch bevor.
Um Erhalt und Pflege sicherzustellen, könnte mit Wurzelbürsten, Wasser, Besen und Gartenschere begonnen werden, um die Grabsteine von Moos, Blättern und Efeu zu befreien. Hier wäre auch die Einrichtung von Patenschaften für bestimmte Grabstellen zu prüfen. Die von Verfall bedrohten Zeugnisse unserer Vergangenheit haben wie das gesamte Areal wegen ihres historischen und künstlerischen Werts eine besondere denkmalpflegerische Bedeutung. Es handelt sich um wertvolle materielle Überreste unserer Kulturgeschichte.
Baumbestand und der parkähnliche Charakter der Anlage sind unbedingt schützenswert. Gerade im ansteigenden Gelände wären weitere Ruhebänke sinnvoll, damit „de Stiefe Garde“ noch mehr zu einem Kommunikationsort werden kann.
Die Liberalen halten es für dringend geboten, den Alten Friedhof nicht zu vergessen. Gaa: „Deshalb sollten auch Mittel im städtischen Haushalt bereitgestellt werden. Darüber hinaus können wir uns vorstellen, dass im Rahmen einer Spendenaktion auch Geld von privaten Haushalten zusammen kommt. Auch Unternehmen könnten sich daran beteiligen. Wir Liberale stellen uns der Verantwortung, die Bedeutung und den Sinn von Friedhöfen und Grabstätten für die Öffentlichkeit zu erschließen und allen Bürgern zugänglich zu machen. Jeder sauber und gut gestaltete Friedhof ist eine persönliche, aussagefähige Visitenkarte für St. Ingbert“.
Die Stadt sollte sich des hohen kulturellen Wertes bewusst sein und ihren Beitrag zur Bewahrung und Verschönerung des Alten Friedhofes leisten. „Er ist ein unverzichtbarer Erholungs- und Begegnungsort für Mensch und Natur in der Stadt“, so Andreas Gaa abschließend.